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CS:GO-Teams streichen die Segel – Steht die deutsche Szene vor dem Aus?

Vieles deutet darauf hin, dass der nationale CS:GO-Wettbewerb schon bald auseinanderbricht. Die Gründe dafür sind nicht nur finanzieller Natur.

Trotz eines erfolgreichen Engagements, welches bereits über mehr als drei Jahre bestand, hat die österreichische Organisation No Limit Gaming am 18. Mai 2022 ihren Rückzug aus dem professionellen CS:GO-Bereich bekanntgegeben. Am selben Tag zogen auch die Kollegen von TT Willhaben einen Schlussstrich und vor einigen Monaten sagten mit eSport Rhein-Neckar und plan-B esports ebenfalls bereits zwei Organisationen Goodbye. Was steckt hinter dem Massenausstieg in der DACH-Counter-Strike-Szene?

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Starker Negativtrend der nationalen Wettbewerbe

Die führenden DACH-Projekte ESL Meisterschaft und 99Damage haben in den vergangenen Jahren zunehmend an Attraktivität verloren. Das Finalspiel der Saison Frühling 2022 zwischen Sprout und Cowana Gaming lockte am 30. April auf Twitch gerade einmal 1.600 Zuschauer vor die Bildschirme. Ein enttäuschender Wert, der den aktuellen Stand der Szene jedoch sehr gut widerspiegelt.

Gründe hierfür gibt es jede Menge. So sieht die Community unter anderem die schlechte Kommunikation auf Social Media sowie die fehlende innovative Berichterstattung als Problem an. Zudem schaffen es die Caster nicht, die Zuschauer zu überzeugen und in ihren Bann zu ziehen. Ohne richtiges Storytelling und einer Nähe zu den Teams gibt es für die Zuschauer keinen wirklichen Anlass die Matches zu verfolgen.

Die Entwicklung und der damit verbundene zunehmende Reichweitenverfall sorgen dafür, dass den Teams die Sponsoren und damit ein wichtiger Teil des Geldes verloren geht. So schaffen es immer weniger DACH-Organisationen einen professioneller Counter-Strike-Bereich ohne Verluste zu halten.

 

Vollzeit-Modell nicht umsetzbar

Für Spieler:innen ist eine Vollzeitbeschäftigung der beste Weg, sich vollständig auf das Spiel und den langfristigen Fortschritt des Teams zu fokussieren. Außer BIG schafft es im DACH-Raum jedoch kaum ein Counter-Strike-Team sich wirklich nachhaltig zu refinanzieren. Zumeist sind es Unternehmen wie Caseking, Alternate oder cowana die ihre Teams finanziell stark unterstützen.

Bei NLG waren es unter anderem bekannte Poker-Influencer, die durch Streams für den nötigen Geldfluss gesorgt haben. Nach der Schließung des Poker-Bereichs ging auch diese zusätzliche Einnahmequelle flöten und das ganze Gerüst fing zunehmend an zu wackeln.

Fedor Holz (l.) und Steffen Sontheimer (r.) sind professionelle Poker-Spieler und Mitgründer von No Limit Gaming. | Bildquelle: Pokerfirma

Irgendwann wurde es auch NLG CEO Stefan Schillhabel klar, dass das Projekt in dieser Form nicht weitergeführt werden kann. Im 1HP.de Interview erklärte er: „Ich habe in der Zeit selbst nie Geld verdient, nur draufgezahlt und vor allem viel Zeit investiert. Ich wollte deshalb jetzt nicht mehr auf Krampf durch kleine Sponsorings und 200€ Gehältern die Firma weiterlaufen lassen.“

 

Kann die Szene noch gerettet werden?

Als zentrale Plattform machen ESL und 99Damage insgesamt einfach zu wenig, um die deutsche Szene am Leben zu halten und langfristig zu fördern. Schillhabel meint, „dass es so scheint, als ob die Verantwortlichen auch nicht davon überzeugt sind, dass das auf Dauer funktionieren kann, sonst würde man versuchen zu investieren und daraus mehr zu machen.“

Besonders das sinkende Interesse der Zuschauer macht dem Konstrukt zu schaffen. So könnten in Zukunft eventuell bekannte Content-Creator wie TrilluXe, fELIXSan oder P4triCK als Antreiber dienen, um die Produktionen mit der nötigen Reichweite zu versorgen. Dies hat erst kürzlich beim 2vs2 Red Bull Flick Finale in Berlin sehr gut funktioniert. Hier schauten im Durchschnitt mehr als 3.000 Zuschauer zu.

Wenn sowohl die Veranstalter, Organisationen und Spieler gemeinsam an einem Strang ziehen und einen durchdachten “Neuanfang“ wagen, könnte Counter-Strike im DACH-Raum noch eine Chance haben. Hier ist jedoch ein ehrliches und überlegtes Miteinander gefragt.


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Bildquelle: 99Damage
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