1. November 2019
Fortnite

Kolumne: Warum Mixer es schwer haben wird, den Streaming-Krieg zu gewinnen

Nachdem Mixer im August bereits den Superstar Ninja abgeworben hat, folgt nun auch shroud. Der Kampf um die Stars ist vor allem ein Kampf um die Loyalität der Zuschauer.

Kann man sich Erfolg kaufen? Das ist die Frage, die sich Microsofts Streaming-Dienst Mixer gerade beantworten will. Sie versuchen momentan in bester FC-Bayern-Manier, ihren Konkurrenten die Stars wegzuschnappen: Nachdem die ehemalige Nummer eins auf Twitch, Mega-Star Ninja, bereits im August mit einem Exklusiv-Deal zu Mixer wechselte, ist mit shroud nun auch Twitchs Nummer zwei übergelaufen.

Dabei geht es eigentlich gar nicht um die Stars, sondern um die Zuschauer, die sie potentiell mitbringen. Denn Mixer hat einiges aufzuholen: Mit 3,2 Prozent Anteil am Streaming-Markt ist Mixer noch ein Winzling gegenüber Twitch, das mit 75,6 Prozent Marktanteil quasi der Big Daddy der Streamingplattformen ist.

Der Angriff auf Twitch kommt Mixer teuer zu stehen. Die deutlich geringere Zuschauerschaft bedeutet nämlich auch niedrigere Einnahmen für die beiden Streamer. Um die bekannten Gesichter zu locken, musste Mixer also tief in die Tasche greifen: Genaue Zahlen sind nicht bekannt, doch wer weiß, dass Ninja im Jahr 2018 zehn Millionen US-Dollar verdient hat, kann sich eine ungefähre Größenordnung ausmalen.

Woher kommt Mixer plötzlich?

Mixer hieß ursprünglich mal Beam und wurde 2016 als kleines Startup gegründet. Nur wenig später wurde der Twitch-Konkurrent von Microsoft gekauft und anschließend in Mixer umbenannt. Mit der Übernahme kam das dicke Bankkonto und die Möglichkeit, Mixer als Standardprogramm auf der Xbox und Windows 10 zu integrieren. Bei unser aller Lieblingsbrowser, dem glorreichen Internet Explorer, hat das über Jahre hinweg trotz all seiner bekannten Probleme zu einem dominanten Marktanteil geführt.

Das Konzept hinter Mixer ist Interaktivität. Die Plattform will die Interaktion zwischen Streamer und Zuschauern mit einem kürzeren Delay deutlich direkter gestalten und setzt auf nahtlos eingebettete Features wie Wetten, Mini-Games, und Votes. Sogar das Gameplay der Streamer lässt sich stellenweise von den Zuschauern beeinflussen.

Bisher hat all das aber nicht gereicht, um die Zuschauer davon zu überzeugen, die Plattform zu wechseln. Mit den medienwirksamen Verpflichtungen bläst Mixer nun also zur Großoffensive auf Twitch und hofft, dass die Fans mitwechseln.

Eine Frage der Loyalität

Am Ende ist das eine Frage der Loyalität. Am wem hängen die Fans mehr? An der Plattform oder an der Persönlichkeit? Obwohl Mixer bisher so klein ist, haben shroud und Ninja es geschafft, schon wieder große Zahlen hinzulegen: Ninja hat mittlerweile über 2,5 Millionen Follower und shroud hat es innerhalb weniger Tage schon auf 650.000 gebracht.

Ob Mixer sein Ziel damit erreicht, bleibt bisher trotzdem fraglich. Laut eines Reports hat Ninja nämlich statt Zuschauern eher Streamer auf die Plattform gebracht: Während sich die Anzahl der gestreamten Stunden seit seinem Wechsel fast verdreifacht hat, ist die Anzahl der Stunden, in der die Zuschauer diese Streams konsumieren, sogar leicht gesunken.

Es geht um mehr als nur Gesichter

Mixer sich mit Twitch einen echten Goliath als Gegner ausgesucht. Amazons Plattform hat dem Konzept des Livestreams quasi im Alleingang den Weg bereitet und ist als solches eng mit der Kultur verknüpft. So sind beispielsweise die Twitch-spezifischen Emotes wie „Kappa“ oder„PogChamp“ komplett in die Gaming-Sprache übergegangen und in Chats und Kommentarspalten auf sämtlichen Plattformen dieser Welt zu finden. Der Einfluss von Twitch geht also weit über die eigene Plattform hinaus.

Ob Mixer dagegen wirklich ankommen kann, bleibt abzuwarten. Twitch hat sich seinen Status über Jahre hinweg aufgebaut und dieser Unterschied lässt sich nicht mal eben so mit ein paar bekannten Gesichtern und einem dicken Bankkonto überbrücken. Selbst wenn es Mixer gelingt, mit seinen Features zu überzeugen und eine eigene Kultur aufzubauen, wird das Jahre dauern. Zu dem Zeitpunkt sind die Deals mit den Streaming-Größen wahrscheinlich schon längst wieder abgelaufen.

Das heißt nicht, dass es unmöglich ist. Livestreaming steckt immer noch in den Kinderschuhen und wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten nicht an Bedeutung verlieren – im Gegenteil. Platz für Entwicklung ist also da. Und in dieser Entwicklung ist es durchaus zu begrüßen, wenn Twitch sich nicht auf seinem Status ausruhen kann und noch ein wenig mehr Konkurrenz bekommt.

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