12. November 2019
DOTA 2

Kolumne: Dota 2 muss von LoL lernen – sonst naht das Ende für das Rekordspiel

Jährliche Preisgeldrekorde, mehr als 30 Millionen US-Dollar und die meisten Profi-Millionäre im eSports – Dota 2 gehört zu den größten im eSports… noch! Valve sollte aber unbedingt auf den Konkurrenten Riot Games schauen, sonst ist bald Schluss mit den Millionen.

Vorweg: Ich bin ein großer Dota-Fan. Ich war schon auf drei The Internationals (TI), dem größten Dota-Event der Welt, bin schon quer durch die ganze Welt für das Spiel gereist und habe jeden guten Profi in Interviews gelöchert. Momentan fällt es mir aber sogar schwer, einfach nur Streams anzuschauen – ich habe keine Lust mehr auf Dota.

Naht das Ende von Dota 2?

Ich bin mit dem Problem aber nicht der Einzige! Dotas Subreddit ist voll mit Spielern, die momentan in der Langeweile des Spiels gefangen sind und auch die Spielerzahlen geben das wieder. Schaut man auf die Steamcharts, waren wir im Oktober gerade einmal bei knapp 388.000 aktiven Spielern.

So schlecht waren die Zahlen letztmals im Dezember 2013 – das ist fast sechs Jahre her!

In der Zwischenzeit hatte Dota eigentlich einen guten Trend: Mit einem Schnitt von 500.000 bis 600.000 über die letzten Jahre können wir Dota-Fans uns eigentlich nicht beschweren. Totes Game? Fehlanzeige!

Mittlerweile sieht das aber anders aus: The International 2019 ist seit dem 25. August vorbei und irgendwie gab es noch keine großen Updates. Stattdessen bekommen wir sowas:

Toll, oder? Alle warten auf das Update, aber Valve entscheidet sich, alte Items wiederzuverwerten. Die Frustration der Spieler und Fans steigt – zurecht!

Die Profis brauchen eine mentale Pause von Dota

Sogar die Profi-Szene scheint noch im Tiefschlaf. Das erste Major steht vor der Tür und irgendwie kommt noch keiner wirklich in Stimmung. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass das Event in China stattfindet – und das, obwohl TI gerade erst in Shanghai war.

Die Streaming-Zeiten sind demnach ungünstig für westliche Zuschauer: Mitten in der Nacht Matches schauen, ist nur für die Hardcore-Fans akzeptabel.

Dazu kommt, dass sich einige große Teams dagegen entschieden haben, am ersten Dota 2 Pro Circuit-Event teilzunehmen. Der aktuelle TI-Champion und Rekordsieger OG hat sich gegen eine Teilnahme entschieden. Dazu kommt Chinas Nummer eins, PSG.LGD, KuroKy’s Meisterteam von 2017 und die besten der letzten Saison, Team Secret. Das ist ein herber Rückschlag für Fans.

Außerdem haben sich sogar die Caster und Analysten entschieden, nicht einmal nach China zu reisen. Sie übertragen die Spiele aus Nordamerika: Das Major in China wird zur Witzveranstaltung.

Valve hört nicht zu

Und das alles liegt daran, dass der Entwickler Valve in seinem Büro in Seattle sitzt und nicht wirklich auf die Wünsche der Szene hört. Klar, neue Items sind schön und gut, aber die Spieler meckern seit Jahren, dass der Pro Circuit überarbeitet werden muss – die Profis brauchen eine Pause nach TI!

Valve hat sich dennoch entschieden, die Qualifier für das erste Major nur einen Monat nach der WM in China zu veranstalten – zu früh für die Superteams, denn auch sie müssen durch den anstrengenden Qualifier-Prozess, Invites gibt es nämlich nicht.

Wann kommt das große Update?

Während der vergangenen Weltmeisterschaft schien die Dota 2-Welt noch in Ordnung: Ein neuer Preisgeldrekord, Weltklassespiele und dazu hat Valve auch noch zwei neue Helden für den Herbst 2019 angekündigt.

Wir stecken mittlerweile aber mitten im Herbst und lange Zeit war es ruhig um das große Outlanders Update, dass das Spiel wieder durchwürfeln soll und die neuen Charaktere integriert. Nach dem Ende des Majors, am 24. November, soll das Update endlich erscheinen.

Mein Blick richtet sich nervös auf das, was uns erwartet. Meiner Meinung nach kann dieses Update den Grundstein für eine neue Dota-2-Ära legen oder den Anfang vom Ende besiegeln.

Wird das Update den frischen Wind bringen, der Dota wieder konkurrenzfähig macht? Oder stagniert Valves Spiel weiterhin und schaut damit dem langen Abstieg entgegen?

Riot zieht davon

Das Problem ist eigentlich nicht Valve selbst: Seit Jahren fühlt sich die Szene schon chronisch vernachlässigt, aber dennoch stiegen die Spielerzahlen weiter an. Das lag auch daran, dass Riot Games als Konkurrent mit League of Legends zwar ein gutes Spiel aufgebaut hat, aber beide ziemlich auf einem Niveau waren.

Das sieht mittlerweile anders aus: League of Legends wird immer größer und immer Mainstream-freundlicher. Das beste Beispiel sind wohl die World Championships – LoLs WM.

Während TI bei knapp zwei Millionen Zuschauern rumdümpelte, brechen die Worlds neue Zuschauerrekorde – fast vier Millionen Zuschauer!

Die eigenen Spielerzahlen sind noch größer: laut Riot-Angaben liegen sie bei acht Millionen zu Hochzeiten. Zum Vergleich: Dota 2s eigener Rekord liegt bei 1,2 Millionen gleichzeitigen Spielern.

Dota muss Einsteiger-freundlicher werden

Dota-2-Fans verspotten den verhassten Konkurrenten dennoch gerne: League of Legends sei viel zu leicht, ist eine der üblichen Argumentationen im MOBA-Streit. Und genau da ist das Problem, denn Dota 2 erfreut sich seit Jahren einer Hardcore-Szene, von der andere Spiele zum Teil nur träumen können, aber der Nachwuchs fehlt.

Die Einstiegshürde ist zu groß und wer Dota 2 wirklich verstehen will, muss mehr als 1000 Stunden investieren – zu viel für neue Spieler.

Wir sollten also aufhören, uns über den LoL lustig zu machen – im Gegenteil, wir sollten uns einiges von ihnen abschauen. Massenbegeisterung geht eben nur, wenn man auch die Massen hat.

Valve, kopier doch mal was von Riot!

Geringere Einstiegshürden durch bessere Tutorials und neue, vereinfachte Mechaniken könnten Dota 2 noch retten, um es wieder massentauglicher zu machen – so wie es League of Legends eben seit Jahren vormacht.

Das Freispielen von Champions gibt den League-Spielern die Chance, sich langsam in das Spiel einzufinden. Man muss nicht direkt mehr als 100 verschiedene Charaktere auswendig lernen, sondern kann sich auf die wenigen konzentrieren, die man in den eigenen Reihen hat.

Dazu kommen die Erfolgsmomente durch das Freischalten weiterer Charaktere – und das fehlt in Dota 2 komplett. Bis auf das Gewinnen von Spielen gibt es keine großen Achievements in Dota 2, die den Anfänger am Ball halten.

Wenn wir also weiterhin die Preisgeldrekorde knacken, aber auch neue Spieler ermuntern wollen, müssen wir eben doch mal bei Riot etwas abschauen. Dann kann auch Dota 2 wieder einen Aufschwung genießen und wir reden in einem Jahr nicht mehr von einem „toten Spiel“.

Fotos: Valve

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