25. Januar 2020
ESPORTS

Evo Japan: Bedeutendstes Fighting-Turnier vergibt schwachen Preis an Smash-Profis

Fighting Games gelten derzeit nicht gerade als die lukrativste Disziplin im Esport. Gestandene Profis leben dank Sponsoring und Streamingverdienst zwar ganz ordentlich, die Preisgelder können jedoch nicht mit Titeln wie CS:GO oder Dota 2 mithalten. Ausgerechnet das vielleicht beliebteste Fighting Game Smash Bros. Ultimate setzt dem Ganzen die Krone auf.

Die Evolution Championship Series (EVO) gilt als das renommierteste Turnier für Fighting Games. Während das Hauptevent in der US-Unterhaltungsmetropole Las Vegas stattfindet, gibt es seit seit drei Jahren auch den Ableger EVO Japan. Das Event in der Makuhari Messe in Tokyo ist derzeit in vollem Gange, das Finale findet am Sonntag den 26. Januar statt. Dieses Jahr wird dort erstmals Smash Bros. Ultimate gespielt. Die anfängliche Freude der Fans war aber schon im Vorfeld des Turnieres Verwunderung, Belustigung und Frust zugleich gewichen.

Starkes Spiel mit schwachem Preis

Nintendo noch den Unmut der Smash-Fans auf sich, indem der Publisher die Aufnahme des Spiels in das Turnier im vergangenen Jahr unterband. Das hatte Mark Julio, CEO der EVO, im Vorfeld der Veranstaltung auf Twitter verkündet.

Entsprechend euphorisch fiel die Resonanz aus, als Nintendos Game-Award-Sieger nun im Portfolio der EVO Japan auftauchte. Fast 3.000 Spieler hatten sich laut smash.gg für Smash Bros. Ultimate angemeldet. Das waren mehr als doppelt so viele als der nachfolgende Titel  Street Fighter V und fast so viele wie für alle anderen Spiele zusammen. Im Vordergrund muss die Leidenschaft für das Spiel als Motivation stehen – denn das Preisgeld ist es nicht. Der Sieger – und nur der Sieger – wird einen Smash Bros. Pro Controller mit goldenem Logo für die Switch gewinnen. Alle anderen Teilnehmer gehen leer aus.

Nintendo und der Esport – Es ist kompliziert

Andere Titel wie Street Fighter V, Tekken 7, BlazBlue und SoulCalibur VI geben immerhin bis zu 9.000 US-Dollar an den Sieger und weitere Gelder an die Plätze zwei bis sieben. Die Smash-Bros.-Community nimmt das ganze vorwiegend mit Humor oder purer Ungläubigkeit auf.

Interessant ist, dass Smash Bros. Ultimate selbst eine eingeschworene Community hat. Bei Fighting Game Hardlinern ist das Spiel jedoch als Party Game verschrien. Auf hämische bis bösartige Kommentare von Communitys anderer Fighting-Titel mussten die Smash Bros. Anhänger nicht lange warten.

Warum gibt es kein Preisgeld? Die Ursache liegt weniger beim Turnierveranstalter. Die EVO verzichtet auf Teillnahmegebühr; die Preisgelder werden von den Publishern zur Verfügung gestellt. Nintendo zeigt aber schon seit Langem kein Interesse daran, seine Spiele wirkungsvoll im Esport zu vermarkten. Weder für Splatoon 2 noch für Smash Bros. Ultimate werden relevante Preisgelder von “Big N” zur Verfügung gestellt, obwohl die Beliebtheit beider Titel den Einsatz durchaus rechtfertigen könnte.

Ob die Reaktionen auf den Controller als Höchstpreis Nintendo in Zukunft zum Umdenken bewegen können, wird sich zeigen. Die zukünftige Teilnehmerzahl von Smash Bros. bei künftigen EVOs könnte vielleicht das Zünglein an der Waage sein.

UPDATE:

Shuto “Shuton” Moriya ist der Smash Bros. Ultimate Sieger der Evo Japan 2020 und damit der rechtmäßige Besitzer des Controllers. Sein äußerst emotionaler Sieg wurde aber noch einmal von einem Schreckmoment überschattet.

Als der Controller von Smash Bros. Mastermind Sakurai persönlich übergeben wurde, gab Shuto ihn kurz darauf weiter, um auch den Glaspokal annehmen zu können. Betreffende Person war sich jedoch offenbar nicht bewusst, dass der Controller nicht fixiert war und ließ ihn aus der Packung fallen.

Der Schrecken war dem Sieger deutlich anzusehen, kurz darauf konnte aber offensichtlich Entwarnung gegeben werden.

Foto: Nintendo

 

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