9. Februar 2020
League of Legends

eSports-Koordinator Brömel: Eintracht Frankfurt will in der Prime League erstklassig werden

Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt weitet das Esports-Engagement weiter aus. Mit Grundlage einer breiten Basis sollen in League of Legends und FIFA nachhaltige Erfolge erzielt werden. Maximilian Brömel — eSports-Koordinator von Eintracht Frankfurt — spricht im Interview mit esports.com über die Entwicklung in League of Legends, den Esports-Markt und die Ziele für die Zukunft.

Herr Brömel, Sie haben sich dazu entschieden, mit League of Legends den zweiten Esports-Titel in Angriff zu nehmen und in der größten deutschsprachigen Liga “Prime League” zu spielen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Maximilian Brömel: Als einer der populärsten Esports-Titel weltweit bietet uns League of Legends eine neue und spannende Zielgruppe. Die Anforderungen, die ein Spieler und Team mitbringen muss, wie zum Beispiel die Kommunikation der einzelnen Spieler untereinander bzw. die allgemeine Teamdynamik, kennen wir aus dem Fußball und anderen Teamsportarten bei Eintracht Frankfurt. Wir können somit unsere Erfahrungen aus dem klassischen Sport in den Esports übertragen.

Riot Games bietet mit der Prime League einen idealen Ausgangspunkt für uns, um unsere ersten Schritte im professionellen LoL-Bereich zu gehen, die wunderbar auf unser Gesamtkonzept „von der Breite in die Spitze“ einzahlen. Das Relegationssystem innerhalb der Liga gibt uns die Chance, ein Projekt umzusetzen, in welchem wir nachhaltig regionale Talente fördern, gemeinsam mit ihnen wachsen und aufsteigen können.

Was sind Ihre Erwartungen an Ihr neues League-of-Legends-Team und die Prime League?

Maximilian Brömel: Wir möchten uns langfristig im nationalen League of Legends Esports etablieren. Uns ist hierbei jedoch wichtig, dass wir nachhaltig wachsen und nicht um jeden Preis Erfolg haben. Aus diesem Grund werden wir auch nicht von Beginn an in der Pro Division starten.

Wir möchten uns gemeinsam mit unseren Spielern „von der Breite in die Spitze“ entwickeln und ihnen dabei Zeit zur Entwicklung geben, um so auch in der Zukunft durch nachhaltige Talent- und Nachwuchsförderung erfolgreich zu sein. Das klare Ziel ist natürlich, auch in der Prime League erstklassig zu werden.

Gibt es einen mittelfristigen Plan für einen Aufstieg in die höchste Spielklasse der Prime League?

Maximilian Brömel: Wir möchten uns und unsere Spieler nicht unter Druck setzen und den Erfolg um jeden Preis erzwingen. Uns ist bewusst, dass sich ein Team und die Spieler entwickeln müssen. Dieses Vertrauen und die Möglichkeit geben wir ihnen durch unser Konzept.

Ein Duell mit Schalke 04 wäre ein Highlight

Sollten mehr Bundesligisten wie Eintracht Frankfurt und Schalke 04 in den eSport investieren, nicht nur in FIFA?

Maximilian Brömel: Das muss jeder Verein anhand seiner Strategie und Ausrichtung selbst entscheiden. Wir freuen uns natürlich über Liga-interne Duelle, wie das erste Spiel gegen Schalke 04 in League of Legends.

Können Ihre Spieler als Profis oder Halb-Profis angesehen werden?

Maximilian Brömel: Wir sehen unsere Spieler als professionelle Athleten an und entsprechend behandeln wir sie in ihrem Alltag.

Welche Auswahl-Kriterien gab es für die regionalen LoL-Talente in puncto Herkunft und Spielverständnis?

Maximilian Brömel: Die Herkunft spielt grundsätzlich keine Rolle bei Eintracht Frankfurt. Die Regionalität der Talente bietet uns den Vorteil, direkt vor Ort in Frankfurt mit den Spielern zu arbeiten. Ein gewisses Maß an Spielverständnis, Kommunikationsfähigkeiten und eine gute Teamdynamik waren die primären Voraussetzungen, um es in das Team zu schaffen.

“Wir weisen unsere Spieler auf die Risiken in Esports hin”

Wie oft trainieren die LoL-Spieler wöchentlich und wie steht das sportliche Programm zum Esports-Training im Verhältnis?

Maximilian Brömel: Das Team trainiert dreimal in der Woche gegen andere Teams in Testspielen. Neben den Testspielen stehen außerdem individuelles Einzeltraining, Taktik- und Strategiebesprechungen auf dem Trainingsplan.

Der Großteil unserer Esportler ist bereits von sich aus in anderen Sportarten wöchentlich aktiv. Unser Fokus liegt hierbei auf Prävention. Das heißt, wir weisen unsere Spieler auf die Risiken in Esports hin und geben ihnen die Mittel an die Hand, um auch langfristig und nachhaltig ihren Sport ausüben zu können.

Sucht in Videospielen ist ein präsentes Thema in Deutschland. Wie geht Eintracht Frankfurt als Vorbild präventiv dagegen vor?

Maximilian Brömel: Die Suchtprävention spielt eine übergeordnete Rolle innerhalb unseres Gesamtkonzeptes. Für uns ist es wichtig, dass unsere Spieler bereits im Breitensport-Bereich gezielt trainiert, anstatt mehrstündig zu „zocken“. Unsere Trainingseinheiten finden dabei stets unter Betreuung von ausgebildeten Trainern statt, um entsprechende Risiken zu minimieren und frühzeitig auf gewisse Gefahren hinzuweisen.

“Mit dem Einstieg in League of Legends blicken wir gespannt in die Zukunft”

Vor etwas über einem Jahr hat die Eintracht ihr Esports-Engagement gestartet. Wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung?

Maximilian Brömel: Wir sind zufrieden mit der Entwicklung unseres eSports-Bereiches. Im ersten Jahr konnten wir alle entscheidenden Etappenziele abschließen. Auf diesem Erfolg möchten wir uns natürlich nicht ausruhen, sondern blicken insbesondere mit dem Einstieg in League of Legends gespannt in die Zukunft.

Entspricht die Virtual Bundesliga Ihren Erwartungen?

Maximilian Brömel: Die Virtual Bundesliga befindet sich auf einem guten Weg. Mit den ersten beiden Saisons der Virtual Bundesliga Club Championship konnten sowohl die teilnehmenden Vereine als auch die DFL, wichtige Erfahrungen sammeln.

Was wünschen Sie sich von der Virtual Bundesliga für die Zukunft?

Maximilian Brömel: Es ist wichtig, dass DFL und Vereine auch in Zukunft eng und vor allem gemeinsam an der Weiterentwicklung der Liga arbeiten.

Was muss sich denn konkret an der Liga verbessern? Beispielsweise einzelne Spieler fordern bereits seit Saisonbeginn Änderungen, kritisieren vor allem den 85er Modus.

Maximilian Brömel: Nur durch den 85er Modus kann aktuell ein fairer Wettbewerb garantiert werden, in welchem die Bundesligavereine entsprechend auf dem virtuellen Platz repräsentiert werden. Während des laufenden Ligabetriebes werden wir uns nicht an Diskussionen rund um die Virtual Bundesliga Club Championship beteiligen.

“Wir beobachten den Esports-Markt”

Was haben Sie nach einem Jahr gelernt? Würden Sie aus heutiger Sicht Ihren Esports-Einstieg anders gestalten?

Maximilian Brömel: Nein, mit unserem Gesamtkonzept sind wir zufrieden. Uns war es wichtig, im ersten Jahr ein stabiles Fundament aufzubauen, um auch in Zukunft langfristig Erfolg zu haben. Wir haben in dem vergangenen Jahr viele Erfahrungen sammeln können, die uns in der kommenden Zeit und der weiteren Entwicklung helfen werden.

Was waren für Sie persönlich die größten Hürden und die wichtigsten Erkenntnisse?

Maximilian Brömel: Im Esports treffen wir auf eine neue Zielgruppe und somit müssen wir gelernte Mechanismen auf diese anpassen. Die Schnelllebigkeit des Esports stellte uns dabei vor neue Herausforderungen, welche wir jedoch bereits im ersten Jahr gut gemeistert haben.

Gibt es noch andere Esport-Titel, die bei Ihnen auf der Beobachtungsliste stehen? Planen Sie den Einstieg in andere Spiele?

Maximilian Brömel: Wir beobachten natürlich den Esports-Markt, jedoch gibt es zum aktuellen Zeitpunkt keine Erweiterungsgedanken. Der Fokus liegt erst einmal darauf, in League of Legends und FIFA unser Gesamtkonzept „von der Breite in die Spitze“ umzusetzen.

“Die Politik muss auf Bundesebene Klarheit zum Thema Esports schaffen”

Esports steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Wie wird sich Esports in Zukunft in Deutschland entwickeln?

Maximilian Brömel: Die Entwicklung des Esports in Deutschland ist beeindruckend. Seit über 20 Jahren befindet sich der Esports hier zu Lande in ständiger Bewegung, seit den letzten drei bis vier Jahren ist der Esports immer weiter in den Mittelpunkt der Gesellschaft gerückt und dort zumindest teilweise bereits angekommen.

Aus diesem Grund sind wir gespannt, wie sich der Esports in Deutschland zukünftig entwickeln wird. Wir möchten mit unserer Arbeit einen Teil dazu beitragen.

Was erhoffen Sie sich von der Politik für die Zukunft des Esports in Deutschland?

Maximilian Brömel: Die Politik muss auf Bundesebene Klarheit zum Thema Esports schaffen. Für uns ist es wichtig, dass ein konstruktiver Dialog zwischen den unterschiedlichen Parteien fortgeführt wird und unnötiger Populismus aus dem Spiel bleibt.

Dass Esports im Verein funktionieren kann, zeigen wir und etliche andere Vereine in Deutschland. Nun liegt es an der Politik, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen.

Vielen Dank für das Interview.

Bildquelle: Eintracht Frankfurt
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