Jetzt esports.com folgen
Zur Übersicht
Twitch

Streaming-Tipps für Einsteiger mit Esport-Kommentator Fabian „V3n0m“ Doellert

Livestreaming aus Spaß oder rein beruflicher Natur - Fabian „V3n0m“ Doellert spricht im Interview an, welche Grundlagen jeder neue oder erfahrener Streamer beherzigen sollte.

Online-Streaming hat den Entertainment-Sektor im Sturm erobert. Innerhalb von zehn Jahren sind Streams auf Twitch und Youtube zu wichtigen Ankerpunkten in der Unterhaltungsindustrie geworden und lösen besonders bei jüngeren Zuschauern unter 30 Jahren immer mehr das klassische Fernsehen als modernes Massenmedium ab. Doch Erfolg beim Streaming ist mit viel Arbeit verbunden. Im Interview mit esports.com spricht der 99Damage-Kommentator und Freizeit-Streamer Fabian „V3n0m“ Doellert über die Grundlagen, die jeder beim Livestreaming beherzigen sollte.

„2003 habe ich zum ersten Mal gestreamt – und das für diese Zeit recht erfolgreich mit 700 Zuschauern“, erinnert sich V3n0m an seine Streaming-Anfänge in Counter-Strike. Doch auch in jüngster Vergangenheit hat der hauptberufliche Kommentator von Freaks 4U Gaming weitere Streaming-Erfahrung gesammelt: „Ich habe die 100-Tage-Challenge vollzogen, die Entwicklungstechnisch ein großer Erfolg war.“ Er berichtet, welche Voraussetzungen für einen guten Start als Streamer gegeben sein müssen.

Wichtig ist das technische Setup

„Das Grundsätzlichste ist ein leistungsstarker Rechner für gute Ingame-Szenen“, beginnt V3n0m mit seinen Tipps für die technischen Voraussetzungen. „Schließlich muss das Spiel gespielt, aufgenommen und nebenbei der Stream ohne Ruckler laufen können.“ Doch nicht immer ist die höchstmögliche Auflösung nötig. „Es kommt natürlich auf die Grafik des Spiels an. Aber wenn wir beispielsweise ein Gerät zum Spielen von League of Legends haben und mit dem Handy den Chat des Streams verfolgen, ist der erste Anfang schon gemacht“, so V3n0m.

Unerlässlich für Streamer ist es hingegen, dass mehrere Geräte mit dem Rechner verbunden sind. „Mittlerweile ist es normal, dass zwei Monitore genutzt werden. Einer für das Spiel selbst, der andere ist für die Aufnahme wie mit OBS zuständig“, betont V3n0m. Er fügt auch weitere Möglichkeiten hinzu, um einen Schritt weiterzugehen: „Um sich abzuheben, ist eine Kamera notwendig. Dadurch kommt die eigene Persönlichkeit besser rüber und die Zuschauer erinnern sich an ein Gesicht. Ein rauschfreies Mikrofon oder Headset ist ebenfalls wichtig, um gut anzukommen.“

Sowohl mit kleinem Geldbeutel sind diese Anschaffungen möglich als auch mit höheren Investitionen. Ein Bonus-Tipp von V3n0m: „Wer das nötige Geld hat, sollte immer in Qualität investieren. So wirkt die Stimme durch ein gutes Mikrofon deutlich voluminöser.“

Sollte ich nur mein Lieblingsspiel zeigen oder viele verschiedene Inhalte anbieten?

Wer kennt es nicht. Ein Spiel ist im Trend, doch wir haben Lust auf unseren Herzenstitel. Wie kann ich das mit meinem Stream vereinbaren? „Die Zielsetzung ist Frage“, beantwortet V3n0m die Frage, „Wenn ich erfolgreich sein will, kommt es darauf, was ich anbiete. Gucken sie mich, weil ich freundlich und lieb bin, oder weil ich einfach gut in einem bestimmten Spiel bin? Einem shroud beispielsweise gucken trotzdem 20.000 Leute unabhängig vom Spiel zu, weil er einfach gut ist. Auch ein Gronkh kann spielen, was er möchte. Eine besondere Persönlichkeit erreicht die Leute unabhängig vom Spiel.“

Trotzdem weiß V3n0m auch, dass aktuelle Themen nicht komplett ignoriert werden sollten: „Wer auf Trends eingehen möchte, kommt aktuell um Titel wie Among Us oder Rust nicht drumherum. Trotzdem sollte man sich nie krampfhaft auf ein Thema ein lassen.“ Somit hat V3n0m  auch die Kernbotschaft zu einem erfüllten Stream: „Das wichtigste ist, dass ihr Spaß habt und dahintersteht. Wenn ihr euch nicht mit dem Inhalt selbst identifizieren könnt, macht es keinen Sinn und die Zuschauer merken das auch. Allgemein ist es das Schwierigste, als Person zu überzeugen.“

Video: Cyberpunk 2077 WTF Moments #1

Dieses Video ist ab 16 Jahren freigegeben.
Für V3n0m stellt sich auch die regelmäßige Frage des Stream-Inhalts, vor allem weil er durch ein bestimmtes Spiel bekannt wurde: „Bei mir zum Beispiel wollen sie lieber Counter-Strike sehen, weil ich es auch früher professionell gespielt habe und damit bekannt wurde. In den vergangenen Jahren konnte ich einige Leute von meiner Person überzeugen und bin auch super dankbar für diese bedingungslose Unterstützung. Das sind mir die liebsten, auch wenn es schwierig zu erreichen ist.“

Unabhängig vom Spiel muss der Streamer jedoch Geduld haben. „Die Zuschauer müssen die Zeit haben, dich kennenzulernen“, so V3n0m, „Kontinuität ist das A und O. Für mich hat diese Kontinuität zum größeren Erfolg geführt, als ich öfter gestreamt habe.“

Vollzeit-Streamer – Welche Grundlagen dafür geschaffen sein müssen

Großer Erfolg für angebotene Streams sind in der Regel mit großem Aufwand verbunden. „Ab 300 gleichzeitigen Zuschauern und ab 500 monatlichen Subscriptions auf Twitch kann man davon leben“, gibt V3n0m seine Einschätzung preis. Wichtig ist die regelmäßige Zuschauerzahl und die dadurch möglichen Sponsoring-Deals.

Von freiwilligen Spenden (Donations) sollte jedoch in der Berechnung des Erfolges abgesehen werden. „Donations sind zwar nett, sollte man aber nie fest einkalkulieren“, rät V3n0m. „Mit Glück kommen mal 1.000 Euro im Monat bei rum, in anderen Monaten kann es aber auch nur zehn Euro geben. Zwar hängt das auch mit der eigenen Reichweite zusammen, ist aber unberechenbar. Solche Summen können sich die Leute nicht immer leisten, das ist aber auch gar nicht nötig. Das würde mich krank machen, nur darauf zu schauen. Donations sollten als Ziel für Luxus ausgegeben werden, nicht für das Notwendigste zum Leben. Mit dieser Einstellung freue ich mich vielmehr, obwohl es nie ein Muss ist.“

„Die Leute sollen sich zu Hause als Teil des Ganzen fühlen“

Es gibt laut V3n0m drei unterschiedliche Faktoren, mit denen Erfolg und Begeisterung jeweils möglich ist: Skill, Persönlichkeit und Trends. „Den entscheidenden Feinschliff gibt aber die Innovation mit dem Inhalt, das grafische Design des Streams und die Interaktion mit den Zuschauern“, erklärt der Esport-Kommentator.

„Die Leute sollen sich zu Hause als Teil des Ganzen fühlen“, fügt V3n0m hinzu und verdeutlicht seine Aussage mit Beispielen. „Witzige Alerts oder Emojis, die eine Verbindung mit dem Streamer haben, bringen auch mehr Spaß und Identität. Für die interaktiven Möglichkeiten bieten sich gemeinsame Spiele oder auch Wetten an. Also wenn der Streamer eine Wette verliert, muss er den Zuschauern etwas Inhaltliches zurückgeben. Das bietet Mehrwert für die Zuschauer.“

„Nur wenn es um das Geschäftliche geht, ist es sicherlich die richtige Entscheidung“, erklärt V3n0m den Nutzen von der Zusammenarbeit mit anderen Streamern. „Nach eigenen Gesprächen kann ich sagen, dass es kaum möglich ist, ohne Kontakte beziehungsweise Zusammenarbeit in die Top 50 der Streamer vorzurücken.“

Notwendig scheinen die Kollaborationen zwischen Streamern für ihn nicht zu sein: „Ich bin selbst kein guter Networker, aber als Anfänger sollte man das auch nicht direkt forcieren. Solche Kontakte zu anderen Streamern sollten organisch wachsen, indem man sich zu einer gemeinsamen Runde in einem Spiel verabredet. Wichtig ist es, authentisch zu sein. Ausnahme ist es, wenn ich bewusst eine gewisse Rolle spielen würde.“

Erfolgreiche Streamer sind jeden Tag zu sehen

„Brutal gesagt: Jeden Tag musst du streamen“, beantwortet V3n0m die Frage, wie häufig ein Streamer auf dem Weg zum Erfolg online sein sollte. „Kontinuität ist das A und O. Wenn du einen Tag nicht on bist, gucken die Leute auch mal woanders. Das kann zu großem Druck führen. Die ganz großen Streamer verlieren täglich eine Menge an Subs, wenn sie einen Tag mal nicht streamen“, erklärt der Kommentator.

„Jeden Tag Streamen ist in der Regel Pflicht für einen hauptberuflichen Streamer“, weiß er und fügt warnend hinzu, „Aber es wird schwer, wenn du angewiesen bist, damit dein Einkommen zu verdienen und noch nicht die große Reichweite hast, um das zu garantieren.“

Fazit: Die Einstellung für das Streaming muss stimmen

V3n0m fasst seine eigenen Erfahrungen, die er in den vergangenen Jahren gesammelt hat, noch einmal zusammen und appelliert auf das Wichtigste, worauf es beim Streamen ankommt: „Du bietest ein Programm um deine Person an. Freude an der Sache ist das Wichtigste. Wenn es dir keinen Spaß machen sollte, würde es keinen Sinn machen. Wer ein kreativer Kopf ist, sich selbst neu erfindet und auch ein wenig Situationskomiker ist, hat eine gute Voraussetzung. Wichtig ist, mit welchem Inhalt man sich identifiziert und für ein wenig Unterhaltung sorgen kann, ohne krampfhaft zu wirken.“

Weitere Themen:

Welche Erfahrungen habt ihr mit eigenen Livestreams gemacht? Schreibt es uns auf FacebookTwitter oder Discord!

Gebt uns auch gerne Feedback zu unserer Website!

Bildquelle: 99Damage/Freaks 4U Gaming