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Neun von zehn Packs werden mit Münzen geöffnet – EA über Pay-to-Win und Glücksspiel

Der Pay-to-Win- und Glücksspielfaktor in FIFA 22 wird weiter intensiv diskutiert. Chief Experience Officer Chris Bruzzo äußerte sich dazu nun in einem Interview.

Endlich kann man die Konsole anschmeißen, FIFA 22 starten und sich das eigene Traumteam zusammenstellen. Direkt zum Release begann der Hype. Twitch wurde angeschmissen, um sich bei den Content Creatorn die ein oder anderen Tipps und Tricks abzugucken. Leider gab es in den ersten Stunden und Tagen fast nur Streams, in denen Packs geöffnet wurden.

Genau um dieses Thema ging es im “FIFA-Interview” auf eurogamer.de, die mit Chief Experience Officer Chris Bruzzo gesprochen haben.


Egal, ob pay-to-win, Glücksspiel oder solide Grafik (Grüße gehen raus an eFootball): Mit der Verbindung steht und fällt alles – deto im Interview zu FIFA 22


Kinder sollen in FIFA 22 nichts ausgeben

Im Interview von eurogamer.de standen sich Redakteur Wesley Yin-Poole und EAs Chief Experience Officer Chris Bruzzo gegenüber. Wesley thematisierte den kritischen Punkt Lootboxen und versuchte im Interview herauszufinden, wieso EA Sports Lootboxen für Echtgeld anbietet, obwohl viele Studien zeigen, dass hier “junge Menschen am meisten gefährdet” seien.

Dieser Punkt soll vom Glücksspielausschuss des House of Lords ebenso bestätigt worden sein, wurde jedoch damit relativiert, dass Kinder kein Geld für Lootboxen ausgeben sollen und dürfen und dass EA Sports hart daran arbeitet, dass das auch nicht passiert. Um es mit den Worten von Wesley Yin-Poole zu sagen:

Aber sie tun es.

Von Bruzzo wird nur darauf hingewiesen, dass die “Standardeinstellungen keine Ausgaben von Konten an Jugendliche unter 18 Jahren vorsieht. (…) Kinder sollen in FIFA nichts ausgeben.” Eine etwas ernüchternde Antwort. Und auch wenn Kinder keine Lootboxen kaufen sollen, sind diese in einem Spiel frei verfügbar, auf das Kinder Zugriff haben.

 

Warum gibt es überhaupt Lootboxen in FIFA 22?

Laut EA Sports’ Chief Experience Officer existieren Packs in FIFA 22, damit das Spiel “genau wie im echten Fußball” sei. Bruzzo erklärt:

Diese ganze Gamifizierung, was es bedeutet, verschiedene Spieler mit verschiedenen Hintergründen zu haben, mit Problemen umzugehen, ohne einfach die Möglichkeit zu haben, Lionel zu nehmen und ihn zu PSG zu schicken. Wir haben diese Dinge über einen langen Zeitraum hinweg entwickelt, um zu zeigen, wie es sich anfühlt, die schwierigen strategischen Entscheidungen zu treffen, die man treffen muss, wenn man einen Kader zusammenstellt, der genau so funktioniert, wie der Kader, den man managen möchte und mit dem man spielen möchte.

Außerdem gäbe es ja auch einen Transfermarkt. Demnach wäre aber der Transfermarkt der einzige Faktor, der “genau wie im echten Fußball” funktionieren würde. Im realen Leben kauft man schließlich nicht die Katze im Sack und bekommt, wenn man Glück hat, einen Lewandowski und dazu noch einen Spieler aus der vierten englischen Liga. Ein Glücksspielfaktor in FIFA 22, der ordentlich ins Geld gehen kann.

 

“Neun von zehn Packs werden mit Münzen geöffnet”

Eine Argumentation, die sich durch das ganze Interview zieht, ist, dass nur jedes zehnte Pack mit FIFA-Points und damit mit Echtgeld gezogen wird. Zugegebenermaßen ein überraschender Fakt, aber dennoch: Man kann Packs mit Echtgeld öffnen und sich mit Glück schneller ein besseres Team zusammenbauen.

Außerdem wird nicht näher beschrieben, woher die Münzen dafür kommen. Diese könnten durch Spielerverkäufe generiert worden sein, die man aus Packs gezogen hat, die mit FIFA-Points geöffnet wurden.

Um diese Aussagen zu entkräftigen, wird von Bruzzo eingestreut, dass 78 Prozent der Spieler:innen gar kein Geld in das Spiel investieren würden. Die Plattform gameswirtschaft.de berichtete am 12. Mai 2021, dass die Anzahl der Spielenden zu FIFA 21 auf 25 Millionen angestiegen sei.

Wenn man von diesen 25 Millionen FIFA-21-Spielenden ausgeht, würden also trotzdem immer noch 5,5 Millionen Geld in das Spiel stecken. Statistiken kann man schließlich immer so auslegen, wie man sie braucht.

 

Pay-to-win als Teil der Entscheidungsfreiheit

Das “Bezahlen, um zu gewinnen” wurde im Interview nicht klein geredet, sondern als “Entscheidungsfreiheit” der Spielenden verkauft. Demnach sollen die Gamer:innen selbst entscheiden dürfen, ob sie sich alle Karten erspielen oder in Packs per Echtgeld ziehen möchten. Auch hier ließ der Mann aus Kalifornien es sich nicht nehmen darauf hinzuweisen, dass “neun von zehn Packs” mit Münzen geöffnet werden:

Wenn ich von einer Person höre, die zu viel Zeit oder zu viel Geld in FIFA investiert hat, schmerzt mich das. Das treibt uns sogar an. Wir wollen das nicht.

Dieses Zitat war die Antwort zum Thema Glücksspiel. Viele Studien zeigen schließlich den Zusammenhang zwischen Lootboxen und Glücksspiel. EA konterte daraufhin mit Studien, die darin keinen Zusammengang sehen und stellte Behörden wie die in Australien oder Frankreich in den Vordergrund, die Lootboxen nicht im Sinne von Glücksspiel regulieren möchten.

 

FIFA irgendwann ohne Lootboxen?

Auf die Frage, ob wir in Zukunft von EA Sports eine Simulation ohne Packs erhalten könnten, antwortete EAs Chief Experience Officer relativ deutlich mit einem “Nein”. Bruzzo führt aus:

Mit 52 Jahren habe ich nicht mehr so viel Zeit wie früher. Als ich 22 war konnte ich spielen und das Team aufbauen, das ich wollte. Heute habe ich mich dafür entschieden, das Spiel zu spielen, FUT-Münzen zu verdienen und ein bisschen Geld für FIFA-Punkte auszugeben, um meinen Kader aufzustocken. Und ich finde, diese Entscheidung sollte ich treffen dürfen.

Leider wissen wir nicht, wie im Jahre 1991 FIFA Ultimate Team ausgesehen hat und können diese Behauptung deshalb nicht kommentieren.

Dieses Interview zeigt uns aber, wohin die Reise mit EA Sports wahrscheinlich nicht gehen wird: In eine Zukunft ohne Lootboxen. Wenn also das Packs Ziehen eine Gefahr für junge Menschen darstellt, diese aber vom Publisher EA Sports nicht ausreichend entschärft wird, dann müssen die Länder reagieren. Auch wenn “Kinder kein Geld in FIFA 22 investieren” sollen, tun es die meisten trotzdem.


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Bildquelle: EA Sports