27. März 2020
CS:GO

Konkurrent der ESL Pro League: Ist Flashpoint bereits gescheitert?

Die neue Flashpoint-Liga in Counter-Strike: Global Offensive ist mit viel Getöse gestartet und sieht sich als Konkurrent der ESL Pro League. Nach mehr als einer Woche Spielzeit ist klar: Flashpoint kann die Pro League nicht schlagen.

Flashpoint gegen ESL Pro League – unter diesen Voraussetzungen startete in diesem Jahr die neue Saison in Counter-Strike: Global Offensive. Dass Zuschauer eher zur Pro League tendieren werden, war vielen schon nach der Bekanntgabe der Teams klar. Die besten Mannschaften der Welt hatten sich nach Verhandlungen mit der ESL im sogenannten Louvre-Agreement für die Pro League entschieden. Flashpoint musste sich hingegen mit der „B-Ware“ zufriedengeben. Lediglich bei den Kommentatoren und Analysten des Flashpoint-Streams konnten die Amerikaner einen Punktsieg erringen und bekannte Namen wie Anders Blume, Auguste „Semmler“ Massonnat sowie den Overwatch-Caster Christopher „MonteCristo“ Mykles an Bord holen. Duncan „Thorin” Shields wurde als Creative Director engagiert.

Pro League mit deutlich mehr Zuschauern

Teams und Kommentatoren hin oder her, ein Blick auf die Statistiken ergibt einen klaren Sieger im Duell zwischen der ESL Pro League und Flashpoint. Mit durchschnittlich über 123.000 Zuschauern ist die Pro League laut Daten von echarts.com deutlich beliebter als Flashpoint mit lediglich 37.000 Zuschauern. Nicht einmal ein kurzzeitiges Zuschauerhoch von 117.000 Zuschauern kann die durchschnittlichen Zahlen der ESL Pro League toppen. Bei der Pro League liegt der Peak aktuell bei fast 400.000.

Vor allem die Spiele des russischen Teams Natus Vincere sind beliebt. Gleich vier Spiele von Na´Vi rangieren unter den Top fünf der meistgesehenen Spiele in der Pro League. Das Matchup gegen das deutsche Team BIG ist auf dem ersten Platz. Hier sind die Partnerschaften der ESL mit verschiedenen, regionalen Partnern schlichtweg ein klarer Vorteil, um Fans Spiele in der eigenen Sprache zu präsentieren. Flashpoint bietet zwar auch verschiedene Sprachen an, allerdings über kleinere, unbekanntere Streams und weniger populäre Kommentatoren.

In der Flashpoint-Liga waren bisher die Spiele des brasilianischen Teams MIBR der Quotenhit, gefolgt von Spielen des schwedischen Dignitas-Lineups mit den ehemaligen Ninjas-in-Pyjamas-Legenden.

Besser als die Esports Championship Series

Während es Flashpoint bisher nicht gelingt, mit der ESL Pro League mitzuhalten, hat der neue Name doch eines zumindest bewirkt: Flashpoint ist deutlich beliebter als das abgelöste Vorgängermodell Esports Championship Series (ECS). Statt 37.000 Zuschauern lag in der ECS der Durchschnitt teilweise unter 10.000 Zuschauern. Erst in den Saisons sieben und acht im Jahr 2019 konnte die ECS mehr als 20.000 Fans fesseln.

Interessant ist der Vergleich mit der ECS, weil beide von FACEIT organisiert und ausgetragen werden. Außerdem spielten 2019 in den beiden Saisons der ECS auch hochkarätige Teams wie Astralis, Vitality, FaZe und Fnatic mit. Dennoch konnte die Liga nicht mit der Pro League Schritt halten. Nur gute Teams an Bord zu haben reicht somit offensichtlich nicht um die viele Zuschauer zu erreichen.

Teams springen zwischen den Ligen

Es hörte sich an wie ein genialer Coup, als Flashpoint bekanntgab, dass FunPlus Phoenix (FPX) an der Liga teilnehmen wird und das Heroic-Lineup aufgekauft hatte. Damit hatte man nicht nur selbst endlich alle zwölf Teilnehmer gefunden, sondern auch kurz vor dem Start der Pro League dem Konkurrenten ein Team weggenommen. Doch so perfekt lief es dann doch nicht. Die EPL fand mit BIG einen Ersatz für Heroic und gleichzeitig schnappte sich Astralis einen der Heroic-Spieler als sechsten Mann. Nun sieht es so aus, als wäre der Deal zwischen FPX und Heroic geplatzt und die Flashpoint-Liga wieder auf elf Teilnehmer reduziert.

Auch Partner-Teams wie MIBR entschieden sich dazu, da die Pro League wegen der COVID-19-Pandemie online ausgetragen wird, an beiden Ligen teilzunehmen. Exklusiv Brasiliens bestes Team zu zeigen ist somit auch kein Verkaufsargument mehr für Thorin und Co.

Technische Probleme machen Flashpoint das Leben schwer

Ein weiterer Grund warum Flashpoint bisher nicht mehr Fans begeistern konnte, sind zweifellos die vielen technischen Probleme. Vor allem beim Sound gab es während der ersten Woche viele Probleme. Während Segmenten mit den Analysten setzten Mikrofone aus, beim Übergang in die Pause wurde Musik in ohrenbetäubender Lautstärke abgespielt.

Das Versprechen der Flashpoint-Liga war es, eine internationale Liga mit den besten Teams der Welt zusammen mit einer hervorragenden Produktionsqualität zu liefern. Doch bisher wurden beide Versprechen noch nicht eingelöst.

Foto: ESL Helena Kristiansson

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