31. Dezember 2019
ESPORTS

G2 verpasst Grand Slam, mousesports trumpft auf: Der Jahresrückblick Teil 4

Das Jahresende bietet emotionale Momente: Europa bangt mit G2 beim Worlds-Finale in League of Legends. WoW-Entwickler Blizzard erntet negative Schlagzeilen. mousesports feiert historischen Sieg in CS:GO.

Das Quartal von Oktober bis Dezember 2019 war vielseitig und spannend. Im Fokus dieser drei Monate standen besonders die Esport-Titel League of Legends und Counter-Strike: Global Offensive im Vordergrund. In dem Blizzard-Klassiker StarCraft II sowie dem Online-Sammelkartenspiel Hearthstone kam es zu spannenden Wendungen. Währenddessen sorgt ein politisches Statement für Unruhe im Blizzard-Universum.

Der Blitzchung-Skandal bringt Blizzard in die Bredouille

Große Aufregung entwickelte sich direkt zu Beginn des letzten Jahresquartals. Denn der Bann des Hearthstone-Profis Chung “Blitzchung” Ng Wai verbreitete sich am 8. Oktober 2019 wie ein Lauffeuer in den internationalen Medien. Nach dem gewonnen Finale der Turnierserie Hearthstone Grandmasters gab der Spieler aus Hongkong im Interview ein politisches Statement zur Lage in der Metropole ab.

“Befreit Hongkong, die Revolution unserer Zeit”, skandierte Blitzchung auf chinesisch während der Live-Übertragung. Damit bekundete der Sieger, der während des Interviews mit Gasmaske und Skibrille auftrat, seine Anteilnahme an der Protestbewegung seines Landes. Laut Richtlinien von Entwickler Blizzard Entertainment war das ein Regelbruch, denn politische Äußerungen sind Spielern in den Wettbewerben untersagt.

Daraufhin wurde das Interview gelöscht, der Spieler für ein Jahr von offiziellen Hearthstone-Events gesperrt und dessen sämtliche Preisgelder aus der Turnierserie Grandmasters Season 2 aberkannt.

Das Strafmaß gegen Blitzchung entwickelte anhaltenden Protest gegen Blizzard. Auf Twitter wurde mit dem Hashtag #boycottblizzard vielfach Kritik an Blizzard geäußert. Neben Kommentatoren wie Brian Kibler äußerten sich auch Politiker zu der Debatte wie der US-Senator Marco Rubio.

“Als ich von der Strafe erfahren habe, habe ich mich an Blizzard gewandt und ihnen gesagt, dass ich mich nicht länger wohl dabei fühle, die Grandmaster-Finalspiele auf der BlizzCon zu kommentieren”, sagte Brian Kibler. Aufgrund der massiven Proteste reagierte Blizzard am 12. Oktober und reduzierte die Sperre von Blitzchung auf sechs Monate und zahlte das gewonnene Preisgeld aus .

Im November entschuldigte sich Blizzards Geschäftsführer J. Allen Brack während der BlizzCon für das Vorgehen der Firma. Allerdings ließ er viel Interpretationsspielraum in seiner Rede, welche von Kritikern als nichtssagend bewertet wurde. Dieser Vorfall gilt als einer der denkwürdigsten Momente des Esport-Jahres 2019.

Europas Hoffnungen ruhen auf G2 bei den LoL-Worlds

Anders als in der Blitzchung-Debatte rückte in League of Legends der Esport von Anfang Oktober bis Mitte November wieder in den Fokus. Das Superteam G2 Esports stand so nah an einem Grand Slam wie noch kein Lineup zuvor in der Geschichte. Die Truppe um Luka “Perkz” Perković gewann zweimal die europäische Eliteliga LEC und siegte beim Mid-Season Invitational, der sogenannten Mini-WM. Mit dem Triumph bei den Worlds wäre eben jener Grand Slam erstmals zustande gekommen. Dementsprechend hoch waren die Hoffnungen sowie Erwartungen der G2-Anhänger und der Experten bei den Worlds 2019 – dem Highlight-Event des Jahres.

Bis in das Finale spielten sich die Europäer, schalteten auf dem Weg dorthin den Mitfavoriten SK Telecom T1 um Superstar Lee „Faker“ Sang-hyeok im Halbfinale aus. Doch im Endspiel gegen den chinesischen Meister FunPlus Phoenix, kurz FPX, blieben die G2-Akteure um Rasmus “Caps” Borregaard Winther weitestgehend blass. Am Ende stand ein glattes 0:3 gegen das Team um den südkoreanischen Topspieler Kim “Doinb” Tae-sang, was auch an den spielerisch falschen Entscheidungen der Europäer lag.

Die Niederlage analysierte der deutsche G2-Coach Fabian “GrabbZ” Lohmann unverblümt: “Das Team war unkonzentriert, hat individuelle und grundlegende Fehler begangen”, sagte GrabbZ im Interview mit esports.com. Trotz der Enttäuschung über das verpatzte Worlds-Finale, kann G2 Esports auf ein erfolgreiches Jahr 2019 mit drei Titelgewinnen blicken.

CHinesin lässt Kritiker bei dem wichtigsten Hearthstone-Event des Jahres verstummen

Xiaomeng “VKLiooon” Li ist die erste Profi-Spielerin, die die Grandmasters Global Finals in Hearthstone gewonnen hat. Auf der BlizzCon 2019 setzte die Chinesin gleichzeitig ein Statement für Frauen im Esport.

Am 3. November 2019 siegte VKLiooon im Endspiel der Global Finals gegen den US-Amerikaner Brian “bloodyface” Eason mit 3:0 und schaffte das Novum. Sie untermauerte ihr Statement, welches sie im August zum Zeitpunkt ihrer Qualifikation für das Turnier veröffentlichte: “Ich bekomme zum ersten Mal weltweite Aufmerksamkeit als Repräsentantin Chinas. Das ist die beste Möglichkeit, es den Leuten zu zeigen, die an mir gezweifelt haben, weil ich eine Frau bin. Es zeigt, das Frauen Pro-Spieler sein können, genau wie Männer.”

Durch ihren Sieg im Finale ist die Chinesin nun um 200.000 US-Dollar und die Anerkennung der gesamten Hearthstone-Community reicher. Mit ihrem Triumph in dem prestigeträchtigsten Event des Online-Sammelkartenspiels ist Liooon eine Inspiration für Frauen im Esport.

Europäische StarCraft-Asse Serral und Reynor liefern sich spannendes Duell

StarCraft II gilt als die Königsdisziplin des Esport-Einzels. Dementsprechend wurde während der BlizzCon auch auf die WCS Global Finals mit großer Spannung geblickt. Vor allem die beiden einzigen Profis, die nicht aus der StarCraft-II-Domäne Südkorea stammen, sorgten im Halbfinale für einen Thriller.

Der Finne Joona “Serral” Sotala, seines Zeichens Weltmeister von 2018, traf auf den Shootingstar des Jahres, den 17-jährigen Italiener Riccardo “Reynor” Romiti. Beide Zerg-Spieler gingen mit reichlich Vorschusslorbeeren in das Turnier und ließen selbst koreanische Topspieler hinter sich. Im direkten Aufeinandertreffen zeigten die Europäer ein spannendes Match auf Augenhöhe, in welchem sich Reynor knapp mit 3:2 durchsetzte.

Nach dem Ausscheiden von Serral war klar, dass es einen neuen Weltmeister geben würde. Im Endspiel traf Reynor auf den Südkoreaner Park “Dark” Ryung Woo. Dort musste sich das junge italienische Genie allerdings mit 1:4 geschlagen geben. Dark jubelte und holte den WM-Pokal zurück in das Esport-Mekka.

Deutsche Fans jubeln über prestigeträchtigen mousesports-Titel

Großen Jubel am 8. Dezember im dänischen Odense: mousesports-Ansager Finn “karrigan” Andersen weinte vor Glück. Mit dem sensationellen Sieg bei den ESL Pro League 10 Finals gewann die deutsche Organisation ihren bislang größten Titel in Counter-Strike: Global Offensive. 250.000 US-Dollar Preisgeld gab es obendrauf.

Im Endspiel setzte sich mousesports klar mit 3:0 gegen Fnatic durch. Das große Selbstvertrauen der Mäuse hatte einen Grund, denn im Halbfinale gelang ein nervenaufreibender 2:1-Triumph gegen die Hausherren und den klaren Topfavoriten Astralis. Gegen seine Landsmänner und ehemalige Teamkollegen führte der Däne karrigan, der deutsche Wurzeln hat, mousesports zum Erfolg und legte den Grundstein für den Turniersieg.

Mit Tränen in den Augen sagte karrigan im anschließenden Interview dem dänischen Sender TV2 erleichtert: “Ich bin einfach nur so stolz auf alle. Es war eine schwere Zeit, nachdem ich FaZe verlassen hatte, aber ich glaubte an mich selbst. Glaubte daran, dass ich zurückkommen könnte. Astralis geschlagen, Fnatic 3-0 im Finale geschlagen und nicht gechoked. Ich bin einfach nur so stolz auf sie.”


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Bildquelle: ESL – Helena-Kristiansson, Riot Games – Michal Konkol
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