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Call of Duty-Esport am Abgrund? Profi-Szene schlägt Alarm

Activision will mit der CDL den CoD-Esport groß rausbringen. Bislang bleibt die Liga aber unter dem Radar. Jetzt haben zwei ehemalige CoD-Profis ein Machtwort gesprochen.

Nachdem Activision zu Beginn der Saison 2020 aus der Call of Duty League eine eigene Franchise-Liga machte, dachten viele, dass sich in der kompetitiven Szene vieles zum Guten wenden wird. Für einen Platz in der Liga mussten Teams immerhin 25 Millionen Dollar zahlen. Aber die Entwicklung scheint zu stagnieren.

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Wie gut die Profis wirklich sind, könnt ihr hier sehen:


Der Esport ist nur ein Nebengeschäft

Bereits seit dem Release von Call of Duty: Ghosts im November 2013 fehlt den Turnieren und Ligen des Entwicklers die Attraktivität. 2022 steht das dritte Jahr der Call of Duty Liga (CDL) vor der Tür. Ab dem 4. Februar treten die zwölf Teams wieder regelmäßig online gegeneinander an. Erneut beginnt die Saison jedoch erst spät nach dem eigentlichen Release des aktuellen Spiels und der Hype ist längst verpufft. Vorfreude auf den Wettbewerb gibt es nur wenig. Auch auf Twitch sind die Zuschauer nicht gerade angetan vom neuesten Ableger Call of Duty: Vanguard.

Zum Glück steht ein millionenschweres Unternehmen hinter dem Franchise und hat genügend Ressourcen zur Verfügung, um sich die Probleme zu Herzen zu nehmen und auf die Community zu reagieren. Sollte man zumindest denken.

Wie bei jedem wirtschaftlichen Unternehmen, legen die Entwickler hohen Wert auf die Verkaufszahlen. Die kompetitive Szene rückt dadurch in den Hintergrund. Aus diesem Grund wird das Spiel immer zunächst für den Casual-Spieler angepasst. Profis stehen weiter unten auf der Prioritätenliste.

 

H3CZ und Nadeshot kritisieren Activision

Hector “H3CZ“ Rodriguez, CEO von OpTic Gaming, und Matthew “Nadeshot“ Haag, CEO von 100 Thieves, sind zwei der wohl bekanntesten Esport-Persönlichkeiten der Welt. Auch ihre Organisationen sind in der Call of Duty League vertreten. Erst kürzlich trafen sich die beiden auf Twitch und besprachen die aktuelle Situation in der Szene.

Beide sind überzeugt, dass es sehr viele Baustellen im Call of Duty-Esport gibt. Die kompetitive Saison startet erst drei Monate nach dem eigentlichen Release und es gibt kein Launch-Event. So haben Spieler keine Chance sich in der kompetitiven Umgebung frühzeitig auszuprobieren, Zuschauer keine Chance auf interessanten Content und Sponsoren keine Chance sich zu präsentieren. In der Zeit bis zum Beginn der richtigen Saison gibt es keine regelmäßigen Turniere und niemand hat die Möglichkeit sich kompetitiv auszutesten.

Viele Änderungen, die Activision mit Gründung der Franchise-Liga in Angriff nehmen wollte, wurden bis heute nicht eingehalten. So auch der stärkere und frühzeitige Fokus auf kompetitive Aspekte im Spiel. Der integrierte Liga-Modus war erneut nicht zum Release verfügbar. Bis heute gibt es keinen derartigen Modus für Ranglistenspiele in Call of Duty: Vanguard. Nadeshot wünscht sich, dass der kompetitive Modus in Zukunft bereits von Anfang an in das Spiel integriert wird und der Fokus nicht ausschließlich auf den Einsteigern liegt.

Jedes der zwölf teilnehmenden Teams hat für den Platz in der Call of Duty Franchise-Liga immerhin eine Summe von 25 Millionen Dollar gezahlt. Die Liga ist allerdings geprägt von Turnierstrukturen und -formaten, die es neuen Herausforderern schwer macht am Wettkampf teilzuhaben. Teams aus der untergeordneten Liga “CDL Challengers“ haben aufgrund des Franchisings keine Chance sich gegen die Top-Teams zu beweisen.

 

Auch Spieler tragen Verantwortung

Doch nicht nur die Entwickler selbst stehen in der Bringschuld. Nadeshot kritisiert teilweise auch Spieler, die zu selbstgefällig geworden sind und der Szene nicht die nötige Unterstützung bieten, um sich weiterzuentwickeln. Seth “Scump“ Abner ist einer der wenigen Spieler, der regelmäßig Content für seine Fans bereitstellt. Auch er musste jedoch bereits zu Warzone wechseln.

Grund dafür sind fehlende Content-Möglichkeiten rund um Call of Duty: Vanguard. Die Spieler verbringen ihre meiste Zeit mit Scrims, um neue Taktiken und Aufstellungen zu üben. Diese eignen sich nicht gerade besonders gut für Streams. In öffentlichen Spielmodi werden die Profis kaum gefordert. Auch diese kommen deshalb eher weniger in Frage.

Die Situation ist schwierig, denn Spieler dazu zu zwingen Content zu produzieren, um die Aufmerksamkeit rund um die Call of Duty League aufrecht zu erhalten, ist nicht der richtige Ansatz. Die Spieler müssen von selbst merken, dass sie ein wichtiger Bestandteil der Szene sind und einen riesigen Beitrag leisten können. Zudem bilden Streams und Co. eine attraktive zusätzliche Einnahmequelle.

Aktuell steht das Verhältnis zwischen den Spielergehältern in keinem Verhältnis zu dem was über die Live-Produktionen eingenommen wird. Spieltage mit weniger als 10.000 Zuschauern sind für eine Liga derartiger Größe eine Blamage. Damit das ganze Gerüst nicht vollkommen zusammenbricht, muss sich in Zukunft dringend etwas ändern.

 

Wie sieht die Zukunft des COD-Esports aus?

Das Call of Duty-Franchise ist nun bereits 18 Jahre alt und seit längerer Zeit sind wenig bis keine Verbesserungen in Sicht. Laut H3CZ fehlen auch dem neuesten Ableger Call of Duty: Vanguard rund 50% zum Erfolg. Eine zweite Hälfte, die ergänzend zu den aktuellen Inhalten steht und dafür sorgt, dass Langzeitattraktivität und mehr Möglichkeiten für Content-Produktion geschaffen werden.

Die Turnierstrukturen müssen überarbeitet werden, um neuen motivierten Spielern die Möglichkeit zu geben, in die Profi-Bubble einzusteigen. Turniere müssen regelmäßiger, bestenfalls im wöchentlichen oder monatlichen Rhythmus, stattfinden. Zudem sollten die Rechte für die Veranstaltung von Turnieren nicht an beliebig viele Anbieter verteilt werden. Eine Zentralisierung auf eine Plattform wird empfohlen. H3CZ erwähnt hier Faceit, die bereits in der Vergangenheit vielen anderen Shootern eine kompetitive Plattform geboten haben.

Die öffentlichen Diskussionen rund um den aktuellen Stand von Call of Duty im Esport haben bereits hohe Wellen geschlagen. So gab es laut Mike “hastr0“ Rufail, Besitzer von Team Envy und CGO bei OpTic Gaming, bereits ein Krisenmeeting, bei dem die Ligaleitung mit den Teams gesprochen hat. Es scheint so, als ob sich in Zukunft also einiges zum Besseren wenden könnte.


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Bildquelle: Activision
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