26. Oktober 2019
League of Legends

China schlägt zurück: Fnatic verzweifelt im Worlds-Viertelfinale

Der Traum vom Endspiel in Paris ist für Fnatic geplatzt. Der europäische Vizemeister bekam im Worlds-Viertelfinale in League of Legends einen Starspieler von FunPlus Phoenix nie unter Kontrolle.

Martin “Rekkles” Larsson schlug die Hände über dem Kopf zusammen, seine Mitspieler schauten mit leerem Blick in das Publikum von Madrid. Die Europäer hatten am Samstagabend das Viertelfinale gegen FunPlus Phoenix mit 1:3 verloren. Besonders der Südkoreaner Kim “Doinb” Tae-sang wies Fnatic mit einer Weltklasseleistung in die Schranken.

Trotz der lautstarken Anfeuerungen zahlreicher Fnatic-Fans im Palacio Vistalegre trumpfte das Team um Rekkles im Viertelfinale der “Heim-WM” nur selten auf. Dabei waren die Hoffnungen auf einen weiteren Coup groß. Vergangene Woche waren noch die Spitzenteams SK Telecom T1 und Royal Never Give Up den Eurpäern zum Opfer gefallen.

Gegen FunPlus Phoenix (FPX) wirkten die Europäer jedoch lethargisch. Trotz des First Bloods zu Beginn des ersten Spiels konnte Fnatic keinen nachhaltigen Druck aufbauen. Zwar hatte das Lineup um Mads “Broxah” Brock-Pedersen den Überraschungsvorteil mit Champion-Picks wie Yuumi und Twisted Fate auf ihrer Seite, doch FPX konterte gnadenlos. Mit dem Mid-Laner Doinb hatte das chinesische Team fast immer die richtige Antwort parat.

Der für beide Teams typische Kampf um die Bot-Lane ging klar an FunPlus Phoenix. Zwar konnte Rekkles mit Garen vereinzelt für Akzente sorgen, doch das bessere Kollektiv bildete FPX. Doinb und sein Teamkollege, Bot-Laner Lin “Lwx” Wei-Xiang, bestraften leichte Spielfehler von Fnatic eiskalt und ermöglichten FPX einen sicheren Baron-Kill, wodurch der folgende Push das erste Spiel zu Gunsten von FPX entschied.

Gleiche Probleme duplizierten sich bei Fnatic im zweiten Spiel. Rekkles wechselte auf Kai’Sa, doch der Fehlstart seines Teams kam gleich zu Beginn. Erneut war auf der Bot-Lane gegen Lwx kein Kraut gewachsen. Fnatic wirkte überfordert, das Kollektiv konnte dem Druck nicht standhalten.

Zudem machten die EU-Spieler mehrmals individuelle Fehler und verloren auch diese Partie sang- und klanglos nach 24 Minuten. Fnatic brauchte somit drei Siege in Folge, einen Reverse Sweep, um noch das Halbfinale zu erreichen.

Reverse Sweep als letzte Hoffnung

Ohne Kampf wollte sich das EU-Team nicht verabschieden. Der Bulgare Zdravets “Hylissang” Iliev Galabov übte in Co-Produktion mit Rekkles mächtig Druck aus. Die Fans von Fnatic bemerkten den Umschwung und peitschten ihr Team euphorisch nach vorn.

Spätestens als Fnatic nachlegte und sich den leichten Vorteil mit Kills an Doinb und Lwx sicherte, war der Anschluss in greifbarer Nähe. Rekkles drehte weiter auf, der so starke Doinb wurde erneut von ihm herausgenommen. Fnatic rotierte zwischen Bot-Lane und Top-Lane und blieb offensiv. FPX war früh unter Druck, Broxaah meldete sich nun auch zurück und drückte nach vorn.

Zusätzliche Boni durch den Elder Dragon und den Baron brachten Fnatic endgültig auf die Siegerstraße. Zwar vereitelte Doinb mit starken Kontern das vorzeitige Spielende, doch im zweiten Anlauf gelang Fnatic der entscheidende Push auf den Nexus. Mit dem Ace durchbrachen die Europäer den letzten Widerstand zum 1:2.

Die Freude über das Erfolgserlebnis weilte allerdings nicht lange bei Fnatic. Im vierten Spiel ging das First Blood an FunPlus Phoenix. Fnatic hielt sich mit Hylissang im Early Game und glich sogar in puncto Gold aus. Weil FPX jedoch auf der Bottom-Lane mit dem kaum zu stoppenden Doinb den ersten Turm von Fnatic zerstörte, konnten die Chinesen etwas mehr Druck ausüben.

15. Minute: Die Bot-Lane von Fnatic war plötzlich offen. FPX blieb extrem aggressiv und wurde in den Aktionen bestätigt. Die LPL-Stars holten Hylissang und Bwipo von den Füßen. Fnatic stand mit dem Rücken zur Wand.

FunPlus Phoenix produzierte keine individuellen Fehler – im Gegenteil. Minute um Minute verbesserte das chinesische Team seine Ausgangsposition. Dazu überragte Doinb mit Ryze, mit dem er neun Kills und somit den Unterschied machte. Mit dem Baron-Kill in der 28. Minute baute FPX den Vorsprung so weit aus, dass Fnatic den Gegner in der Folge nicht mehr aufhalten konnte. Die Entscheidung war gefallen.

Somit steht fest, dass ein Team der chinesischen Spitzenliga LPL im Finale von Paris stehen wird. Im ersten Viertelfinalspiel bezwang der amtierende World Champion Invictus Gaming den koreanischen LCK-Ersten Griffin mit 3:1 und trifft im Halbfinale auf FPX. Am Sonntag finden derweil die beiden letzten Viertelfinalspiele statt. Während Splyce nur Außenseiter gegen SK T1 und Superstar Lee “Faker” Sang-hyeok ist, wird im Duell zwischen LEC-Sieger G2 Esports und Koreas Topteam DAMWON Gaming ein offener Schlagabtausch erwartet.

Alle Ergebnisse der Worlds 2019 sowie sämtliche Neuigkeiten zum Turnier findet ihr in unserem Megathread.

Bildquelle: Riot Games
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